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Wie anker ich richtig?

Eigentlich will ich als Skipper ruhig schlafen, auch wenn ich nachts vor Anker liege. Ich möchte nicht überrascht werden von knirschenden Geräuschen oder vom lauten Gebrüll der Crew oder der Nachbarcrews. Garant für ungestörte Nächte ist ein Anker, der hundertprozentig hält. Leichter gesagt als getan. Hier ein paar Ankertipps.

Schaut Euch auf der Seekarte genau an, wo Ihr ankern wollt. Dabei ist die Wassertiefe, der Ankergrund, die zu erwartende Windrichtung, der Schwell und der Schwojkreis von entscheidender Bedeutung. Lass Dir Zeit bei der Auswahl des Platzes. Fahre vor Ort Deinen Platz ab, schau Dir den möglichen Schwojkreis an. Ist  er rein? Seegras als Ankergrund hält ganz schlecht, aber das weißt Du ja alles. Ich bevorzuge Wassertiefen um die 5 Meter. Meistens ist der Grund dann gut sichtbar. Wähle nach Möglichkeit eine helle Stelle, das ist fast immer Sand oder Schlick, der gut hält. Wenn Du unsicher bist, welcher Ankergrund  unter Dir ist, nimm Dein Lot, schmiere etwas Fett auf das Gewicht (Butter geht auch) und lass es auf den Boden sinken. Beim hochholen haften an der Lotspeise die Partikel und Du kannst erkennen, welchen Untergrund Du hast.

Wenn du den richtigen Platz gefunden hast, stopp das Schiff auf, stell Dich gegen den Wind, gib Kette bis der Anker am Boden ist und lass Dich rückwärts treiben, während Du den Anker weiter fierst. Wenn es Dir zulange dauert, fahre langsam rückwärts. Bei  15 Meter Kettenlänge stopp ich die Ankerwinsch und fahre langsam weiter achteraus, die Kette soll sich gerade legen, und das Eisensoll sich langsam eingraben. Verabredete Zeichen wie Daumen runter, Faust und Daumen hoch erleichtern die Kommunikation zwischen dem Rudergänger und der Person an der Ankerwinsch. Dann wird der Daumen wieder gesenkt was bedeutet,dass weiter Kette gelassen werden soll. Nach 5 m kommt die Faust, was so vielheißt wie „Kette stopp“. Wieder richtet sich die Kette aus, wieder gräbt sich der Anker etwas ein. Wiederhole es noch drei weitere Mal und fahre dann den Anker ein. 40 m Kette bei 5 Meter Wassertiefe verschaffen Dir eine ruhige Nacht. Fahre den Anker ein. Langsam rückwärts. Die Kette spannt sich, erhöhe die Motordrehzahl, die Kette spannt sich noch mehr. Erhöh die Motordrehzahl auf2000 Umdrehungen und lass die Maschine 1 Minute laufen, das Schraubenwassersiehst Du vorne am Bug. Peile Landmarken an, sie dürfen nicht wandern. HalteDeine Hand auf die Kette, wenn sie ruckelt oder vibriert hält der Anker nicht. Wenn das Schiff steht, kannst Du ruhig schlafen, auch dann, wenn nachts Fallböen von 25 Knoten dein Schiff erwischen.

In vielen Lehrbüchern liest man, dass die dreifache Kettenlänge der Wassertiefe reicht. Stimmt, wenn Du Dir sicher sein kannst, dass kein Wind aufkommt und keine Fallböen dich überraschen. Ansonsten könnte sich Deine hinterlegte Kaution erheblich reduzieren.

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PDF-Datei “Ankern – Aber richtig!” zum Download: Whitepaper Richtig Ankern.pdf