Darf der Skipper trauen?

Darf er, aber es wäre eine Ehe auf Zeit - die Ehe dauert nur so lange wie die Reise. An Land ist man dann wieder getrennt, also sehr schnell ein geschiedenes Paar. Denn nur Standesbeamte dürfen rechtlich gültige Trauungen vornehmen.

Darf der Skipper Alkohol und Zigaretten an Bord verbieten?

Ja, das darf er. Das gehört zum sogenannten Hausrecht des Skippers.

Darf er auch religiöse Handlungen wie das Beten untersagen?

Sofern durch das Beten der Frieden an Bord beeinträchtigt werden kann, darf er es verbieten. Auch das Tragen religiöser Zeichen
wie Kreuze, Kopftücher oder Rosenkränze. Die Religionsfreiheit ist zwar ein Grund-recht, aber Grundrechte sind Abwehrrechte
des Bürgers gegenüber dem Staat. Abwehrrechte gegenüber dem Skipper ergeben sich insoweit nicht.

Darf der Skipper Aufgaben nach dem Rollenklischee verteilen?

Ja, das ist zwar gemein, aber zulässig. Denn solche Einteilungen sind keine rechtliche Kategorie, zu Mitgliedern der Crew besteht kein Arbeitsverhältnis. Werden sie aber bezahlt, kann es problematisch werden für den Skipper, dann greift das Arbeitsrecht.

Darf der Skipper jemanden zur Strafe kielholen lassen?

Einen Menschen kielholen darf man grundsätzlich  nicht, weil es eine unmenschliche Strafe wäre und sehr wahrscheinlich eine Straftat. Eine rechtliche Handhabe, Strafen zu verhängen, gibt es für Skipper, zumindest auf privaten Yachten, grundsätzlich nicht.

(Quelle: Maik Brandenburg, Recht - Die Gesetze der Meere, 19/2013)

Muss ich im Seenotfall helfen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich selbst in Gefahr begebe?

Ja, allerdings nur im Rahmen der Ver­hältnismäßigkeit, also abhängig von den subjektiven Möglichkeiten. Zum Beispiel: Ein Kind fällt in zehn Grad kaltes Wasser und droht rasch unterzugehen. Nachspringen wird einem 60-jährigen Herzkranken nicht zugemutet werden können. Anders der trai­nierte Kampfschwimmer. Außerdem sind die betroffenen Rechtsgüter zu vergleichen. Um Menschen zu retten, muss der Skipper gegebenenfalls das Risiko von Beschädigun­gen an seinem Schiff in Kauf nehmen. Das eigene Leben muss dabei aber sehenden Auges niemand riskieren.

Muss ich jemanden schleppen, wenn er durch das Schwingen der Schlepptrosse Hilfe signalisiert?

Bei Gefahr für Leib und Leben ja. Ansonsten ist so eine Hilfe nach den Grundsätzen der guten Seemannschaft üblich.

Was ist, wenn ich als Skipper schiffbrü­chige Armutsflüchtlinge aufnehme, das nächste Land an der Küste sie aber nicht aufnehmen möchte?

Das ist eine heikle Situation für den Skipper. Einerseits ist er aus ethischen und rechtlichen Gründen, siehe oben, zur Hilfeleistung verpflichtet. Andererseits kann ihm die Übernahme der unfreiwilligen Passagiere durch einen anderen Staat verweigert werden. Schlimmer noch: Ihm kann sogar Menschenhandel vorgeworfen werden.

Kann ein Skipper die Crew zwingen, das Boot zu verlassen, um in die Rettungsinsel zu steigen?

Ja, darf er. In extremen Fällen eines Notstan­des darf jemanden sogar schlagen, um dies zu erreichen. Etwa wenn ein Crewmitglied wegen einer Medikamentengabe nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist. Ist sein Leben oder das anderer in Gefahr, darf der Skipper ihn sogar an den Mast binden.

(Quelle: Maik Brandenburg, Recht - Die Gesetze der Meere, 19/2013)

Um Haftungsansprüche der Crewmitglieder untereinander insbesondere aber von Crewmitgliedern gegenüber dem Skipper auszuschließen, werden vielfach sogenannte Crewverträge abgeschlossen.

Dies ist sinnvoll, die Wirkung solcher Verträge ist allerdings begrenzt, was vielen Skippern nicht bekannt ist. Ein wichtiger Punkt dabei ist, dass sich der Skipper nicht von jeglicher Verantwortung freizeichnen lassen kann. Insbesondere wirken solche vertraglichen Vereinbarungen nicht gegen Dritte, d.h. z.B. gegen die Ehefrau oder die Kinder des Verunglückten. Wenn der Skipper schuldhaft einen Unfall eines seiner Crewmitglieder verursacht, so bleibt er gegenüber z.B. dessen Ehefrau, dessen Kinder evtl. auch Kranken- und Unfallversicherung in der Haftung. Gegen die damit verbundenen Kosten schützt ihn nur eine Skipper-Haftpflichtversicherung, die auch diese Fälle abdeckt.

Früher konnte sich der Skipper tatsächlich mit einem entsprechenden Crew-Vertrag von jeder Haftung befreien, außer gegen die Haftungsansprüche der Crew-Mitglieder aufgrund „grober Fahrlässigkeit“ oder vorsätzliches Handeln.

Aber gegen Ansprüche aus zweifelsfrei fahrlässigem Handeln konnte sich der Skipper durch Formularvertrag schützen.

Dies ist aufgrund der Schuldrechtsreform von 2002 allerdings nicht mehr möglich. Denn der Gesetzgeber hat damit die so genannten Mustervorlagen - dem Recht, wie es für die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (§§ 305 ff BGB) gilt – gleichgestellt.

Dies hat zur Folge, dass Ausschlüsse „für Schäden aus der Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit“ unwirksam sind (§ 309 Ziffer 7 a BGB). Ebenso unwirksam ist der Ausschluss für materielle Schäden, die auf grobe Fahrlässigkeit

zurück zu führen sind.

Wirksam ausgeschlossen werden können in den „Musterverträgen für Mitsegler“ nur fahrlässige Pflichtverletzungen, die weder körperliche noch gesundheitliche Schäden zur Folge haben. Diese Ausschlüsse können nur mit einer individuellen Vereinbarung erfolgen.

Sollten auch Personenschäden infolge grober Fahrlässigkeit ausgeschlossen werden, muss dies aufgrund eines für jeden Törn eigens vereinbarten Vertrages erfolgen. Der individuelle Charakter muss dabei eindeutig sein. Der Vertrag sollte am Besten handschriftlich erfolgen und Textwiederholungen, die für mehrere Törns gleich sind, sollten dabei vermieden werden. Denn daraus kann im Ernstfall ein Formularvertrag abgeleitet werden.

Ein Mustervertrag darf allerdings dann verwendet werden, wenn es sich tatsächlich um einen einmaligen Törn handelt und dies unbestreitbar ist. Dr. Heyko Wychodil, Segler und Anwalt der Yacht-Zeitschrift, schreibt dazu (in Yacht Nr. 15/2005) sinngemäß: „Die bessere Alternative, seinen Mitseglern die Unterschrift unter einen Haftungsausschluss abzuringen, sollte sich jeder Skipper sorgfältig überlegen. Nimmt er damit doch in Kauf, dass schlimmstenfalls aufgrund des eigenen Verschuldens eine andere Person erhebliche finanzielle Einbußen erleidet.“

Die Alternative lautet „Skipper-Haftpflichtversicherung. Es gibt sogar Anbieter, die in ihren Verträgen sogar vom Schiffsführer grob fahrlässig verursachte Personenschäden und Schäden am Boot decken. Das macht jede Mitseglervereinbarung überflüssig.

Eine Grundberührung mit einer Charter-Yacht war der Anlass, dass sich ein Skipper vor Gericht verantworten musste. Denn der Kaskoversicherer des Vercharterers, der vorerst den erheblichen Schaden bezahlte, hatte nun den Skipper verklagt, weil er aufgrund des Schadenablaufs davon ausging, dass der Skipper nachweislich „grob fahrlässig“ gehandelt hatte.

Der Skipper hatte keine Skipper-Haftpflicht. Wozu auch, denn er segelte ja seit 50 Jahren schadenfrei. Aber genau das war auch ein Argument, das gegen ihn verwendet wurde ... (aus OCEAN7, 2/2017)

Der ganze Artikel zum Download: Skipper_vor_Gericht_Ocean7_20170314dp.pdf