Seekrankheit ist eine Form der Reisekrankheit, die an Bord entsteht, wenn Dein Gleichgewichtssinn die Bewegung des Segelbootes in den Wellen spürt, Deine Augen aber etwas anderes melden. Es gibt wirklich keinen Grund, sich dafür zu schämen, selbst alte Seebären sind nicht davor sicher. Für die Betroffenen gibt es an Bord nichts Schlimmeres, als seekrank zu sein. Zum Glück gibt es ein paar Maßnahmen, die Dir helfen können, gar nicht erst seekrank zu werden oder die Übelkeit schnell zu überwinden. Und wenn es Dich auf dem Segelboot doch erwischt, halte Dir immer eines vor Augen: Es geht auch wieder vorbei!
Warum wird man an Bord seekrank?
An Bord wirst Du seekrank, weil Dein Innenohr die Schaukelbewegung des Segelbootes spürt, während Deine Augen im Inneren des Bootes eine scheinbar ruhige Umgebung sehen. Dein Gehirn bekommt zwei widersprüchliche Meldungen zur selben Zeit, in Bewegung und in Ruhe, und reagiert auf diesen Konflikt mit Übelkeit. Genau deshalb wird es unter Deck oft schlimmer, denn dort fehlt Dir der Blick auf den Horizont, der Deinen Augen die Bewegung bestätigen würde. Wer diesen Mechanismus versteht, kann gezielt gegensteuern.
Wie kannst Du Seekrankheit vorbeugen?
Seekrankheit beugst Du am besten vor, indem Du Deinen Magen schonst und rechtzeitig zum passenden Mittel greifst. Am wirksamsten ist es, schon vor dem Ablegen anzusetzen, nicht erst, wenn die ersten Anzeichen da sind.
Was hilft gegen Seekrankheit an Bord?
- Nimm Reisetabletten aus der Apotheke ein bis zwei Stunden, bevor Du lossegelst.
- Greif zu Ingwer als sanfte Alternative, ob als Lutschpastille, Tropfen oder einfach frisch in den Tee zum Frühstück.
- Trag ein Akupressurband am Handgelenk, diese bekommst Du zum Beispiel bei dm.
- Setz einen Ohrstöpsel in nur ein Ohr, viele Segler schwören darauf!
- Es gibt Pflaster gegen Seekrankheit, die Du Dir hinters Ohr kleben kannst. Lass Dich dazu von Deinem Hausarzt beraten, denn die Pflaster sind verschreibungspflichtig.
Worauf solltest Du vor dem Törn achten?
- Iss am Abend vorher nichts Schweres und trink nicht zu viel Alkohol, denn ein Kater am nächsten Morgen fördert die Seekrankheit zusätzlich.
- Frühstücke etwas Leichtes, das Dir nicht schwer im Magen liegt.
- Leg Dir einen Snack raus, damit Du immer etwas im Magen hast. Kekse oder Zwieback eignen sich dafür sehr gut.
- Bleib an Deck und meide den Aufenthalt unter Deck.
- Leg Dir Deine Kleidung schon in der Koje zurecht und ziehe Pullover und Jacke möglichst an Deck an.
- Verzichte auf histaminhaltige Nahrung wie rote Paprika oder Salami.
- Verzichte an Deck aufs Lesen, das verstärkt das Unwohlsein.
Und noch ein Punkt, der oft unterschätzt wird. Seekrankheit hat viel mit der Psyche zu tun. Deshalb gilt: Auf keinen Fall reinsteigern!
Wie äußert sich Seekrankheit?
Seekrankheit äußert sich zuerst durch Müdigkeit, leichte Kopfschmerzen und häufiges Gähnen. Dein Speichelfluss verstärkt sich und Du beginnst zu schwitzen. Erst danach kommt es zu den klassischen Symptomen der Seekrankheit: Schwindelgefühl, Übelkeit und Erbrechen. Je früher Du die ersten Anzeichen erkennst, desto besser kannst Du gegensteuern.
Was hilft sofort, wenn Du seekrank bist?
Wenn Du seekrank bist, hilft frische Luft, der Blick auf den Horizont und eine Aufgabe an Deck am schnellsten.
Das kannst Du sofort tun:
- Gib dem Bedürfnis nach, wenn Dein Magen sich erleichtern will, das bringt oft schnelle Erleichterung.
- Geh ans Ruder, das Steuern und der Blick auf den Horizont und den Kompass lenken von der Übelkeit ab.
- Such Dir einen Platz an Deck mit frischem Wind und Blick auf den Horizont, falls Du nicht steuern willst.
- Leg einen Badestopp ein, eine Runde Schwimmen im kühlen Wasser bringt den Kreislauf in Schwung und vertreibt die Übelkeit.
- Iss eine Kleinigkeit: Zwieback oder einen einfachen Keks. Das kann den Magen wieder beruhigen.
- Zieh Dich in Deine Kabine zurück und mach die Augen zu. Schlaf wirkt sehr gut, wenn gar nichts mehr hilft.
Wenn ein Crewmitglied seekrank ist, muss auf jeden Fall der Skipper informiert werden. Außerdem sollte die seekranke Person ggf. eine Schwimmweste tragen.
Der After Eight Trick
Und für den Notfall noch der Trick eines alten Seebären: Trink eine Tasse Pfefferminztee und iss dazu Zartbitterschokolade. Das hilft zwar nicht gegen die Seekrankheit, aber das Erbrochene schmeckt dann wenigstens nach After Eight. Oder Du hältst es mit Lord Nelson. Der antwortete auf die Frage, was gegen Seekrankheit hilft: „Sich unter einen Apfelbaum legen."
Wie lange dauert Seekrankheit?
Seekrankheit dauert in der Regel zwei bis drei Tage, danach hat sich Dein Körper an die Bewegung des Segelbootes gewöhnt und Du wirst nicht mehr so schnell seekrank. Bei vielen ist die Übelkeit auch schon vorbei, sobald sie wieder festen Boden unter den Füßen haben.
Wieder an Land kann es Dir aber passieren, dass der Boden vor allem in engen Räumen plötzlich schwankt. Das sind die Nachwirkungen der vielen Schaukelei an Bord und nennt sich Landbeine.
Wenn Du mit dem richtigen Wissen an Bord gehst, nimmt Dir die Seekrankheit nichts von der Vorfreude.
